Kulturerbe

Schlagwörter: Al-Sadu - Dhaus - Kultur - Perlentauch - Wüste

Die Beduinen sind nach wie vor bekannt für ihre Gastfreundschaft, ihren Stolz, ihr Ehrgefühl, ihren Mut und ihre Geduld. In der Vergangenheit erforderte die prekäre Lebenssituation der permanenten Wanderschaft diese Charakterzüge, um die Kamele, Schafe und Ziegen gut zu hüten, die weitverzweigten Familien zu schützen und die Loyalitäten anderer Stämme zu sichern.

Die Beduinenfrauen webten die schwarzen Zelte, in denen sie alle lebten. Diese länglichen und niedrigen Zelte wurden aus geflochtenem Ziegenhaar oder Schafwolle oder einer Mischung aus Beidem hergestellt. Der Viehbestand war eine mobile Quelle für frisches Fleisch. Neben dem Viehbestand und Milchprodukten stellten die von den Frauen gewebten Wollutensilien, bekannt als „Sadu“-Waren, eine weitere wichtige Einkommensquelle dar.

Die Modernisierung Kuwaits führte zu einem Wandel des Lebensstils der Beduinen in der Wüste. Mit einer erstaunlichen Anpassungsfähigkeit nutzten sie die Vorteile, die sich aus den neuen Möglichkeiten ergaben, insbesondere die Möglichkeiten, die aus dem neuen erdölbasierten Wohlstand resultierten, sodass sie sich in festen Behausungen niederließen. Jahr um Jahr wurden die schwarzen Zelte weniger und die Stammesführer setzten nun auf die von der Regierung finanzierte Ausbildung und Berufsbildung.

Al-Sadu

Die Weiterverarbeitung von Wolle ist das älteste Handwerk der Beduinen in Kuwait. Der Webprozess ist bekannt als „Al-Sadu“, eine Bezeichnung, die ebenso für die speziellen Webstühle der Beduinen verwendet wird. Die Webkunst der Beduinen, blickt auf eine lange Geschichte im Nahen Osten zurück. Sie wird besonders von den Beduinenfrauen gepflegt, die in der Vergangenheit die Wohnzelte und das dazu passende Interieur, Teppiche und Kissen herstellten. Sie stellten auch Herrenmäntel, Satteltaschen oder andere für das Leben der Beduinen wichtige Utensilien her, wobei dieses Handwerk ein hohes Maß an Fingerfertigkeit erforderte. Die Gestaltung der Erzeugnisse spiegelt die großen Entbehrungen wieder, die die natürlichen Bedingungen in der Wüste mit sich bringen, zeugt aber gleichzeitig von einer Ausrichtung auf die wesentlichen Prinzipien der islamischen Kultur.

Perlentauchen

Das Perlentauchen war in der Vergangenheit nicht nur eine Säule des Handels und eine Quelle für den Eigenbedarf der Kuwaitis, sondern stellte ein eigenes soziales System dar, das einen reichen Schatz an Traditionen hinterlassen hat, die auch für die heutige Generation noch Bedeutung haben.

Die allgemeine Bezeichnung für die Perlenfischerei ist „Ghaus“ (Arabisch für „Tauchen“) und alle Personen, die damit in Verbindung stehen werden „Ghawawis“ genannt. Die Methoden der Seeperlmuschelernte haben sich in Kuwait über Jahrhunderte hinweg nicht verändert, sodass sich viele Legenden rund um diese Tätigkeit gebildet haben.

Heutzutage wird diese Tradition unter Federführung S.H. des Emirs bewahrt. Jedes Jahr zur Perlensaison, im Juni, lernt die kuwaitische Jugend dieses Erbe während des Perlentauchfestivals neu kennen und hält somit einen Teil der Geschichte des Landes lebendig.

Schiffsbau

Kuwait blickt auf eine große Meerestradition zurück, zu der vor allem der Schiffsbau zählt. Die Schiffsbauer in Kuwait haben sich in der Geschichte vor allem auf die Dhau, ein großes Holzschiff spezialisiert. Selbst im Zeitalter der Supertanker, bleibt die Herstellung von Dhaus eine wohlbehütete Form des Schiffbaus, wegen der nachlassenden Bedeutung ist dieses Gewerbe aber nur noch in der Gegend rund um die Bucht von Doha anzutreffen.

Auch heute noch werden die gleichen einfachen Materialen und Werkzeuge verwendet, die über Jahrhunderte hinweg zum Einsatz kamen. Das für die Herstellung der Außenwand, des Kiels und des Masts verwendete Teakholz wurde früher aus Indien importiert, die Seile wurden aus Sansibar bezogen, während das Segeltuch vor Ort aus Stoffen gefertigt wurde, die aus Indien, Pakistan und Bahrain eingeführt wurden.

Kaffeehäuser

Eine allgemeine Regel der Gastfreundschaft besagt, Gästen und Besuchern arabischen Kaffee anzubieten. Dem „Qahwa Arabia“, dem arabischen Kaffee, geht meistens der Genuss von kleinen Bechern mit starkem und süßem Tee voraus, wobei das Servieren des Kaffees signalisieren kann, dass ein Treffen oder ein Geschäft zum Abschluss gelangt. Diesen sozialen Code trifft man sowohl bei gesellschaftlichen Treffen in kuwaitischen Privathäusern als auch auf einer Geschäftskonferenz in einem Ministerium an.

Kaffeehäuser sind mit Holzbänken ausgestattet, die mit bunten Kissen bedeckt sind, auf denen es sich die Teilnehmer der Kaffeerunde gemütlich machen können. Die Bänke sind in der Regel an den Enden zusammen gestellt und bilden ein Viereck. Männer kommen meistens mit dem gleichen Ziel, Fernsehen, Unterhalten oder Rauchen, sowohl Zigaretten als auch Wasserpfeife, die weithin als „Hubbly-Bubbly“ bekannt ist.

Das Handwerk

Vor der Entdeckung des Erdölreichtums verdienten sich viele Kuwaiter trotz großer Schwierigkeiten und eines allgemeinen Ressourcenmangels als Handwerker ihren Lebensunterhalt. Zu den wichtigsten Handwerksarten, denen Kuwaiter über Generationen hinweg nachgegangen sind, gehören die Webkunst, das Baumwollkardieren, „Al-Sadu“, die Schmiedekunst, insbesondere das Goldschmieden, die Perlenherstellung und die Schneiderei.

Kuwaitische Schneider waren zum Beispiel in der gesamten Region für die Qualität und Schönheit ihrer „Beshts“ bekannt, Zeremoniengewänder, die zu wichtigen Anlässen über der Dishdasha, dem traditionellen Männergewand, getragen wurde. Das Handwerk ist in vielen Vierteln in Kuwait Stadt anzutreffen, aber besonders im Viertel Mubarakia (dem alten Souk).

Musik

Die kuwaitische Musik spiegelt das vielfältige kulturelle Erbe des Landes wieder. Kuwaitische Handelsleute brachten von ihren Reisen musikalische Traditionen aus Ostafrika und Indien mit, während ausländische Händler ebenfalls ihre musikalischen Einflüsse hinterließen, die in eine reiche und klangvolle kuwaitische Musik münden.

Tanz

Traditioneller Tanz ist ein wichtiger Programmpunkt sämtlicher Feierlichkeiten. Der Ardah-Tanz wird von Männern zu Festen, besonders während Hochzeitsfeiern dargeboten. Dabei tragen die Tänzer Schwerter, während sie zu Trommelrhythmen der Volksmusik tanzen. Die Tänze Samiri, Fraisah, Al-Zifan, Khamari und Tanboura werden von Frauen zu familiären oder anderen sozialen Zusammenkünften aufgeführt.