Kuwait in der Geschichte

Schlagwörter: Dhaus - Failaka - Perlentauch

Tempelruinen auf der Failaka Insel

Die zivilisatorische Existenz in der Gegend um Kuwait ist über 4000 Jahre alt, wie die Ausgrabungen zeigen. Das liegt einmal an der einzigartigen Lage, die Kuwait zu einem Bindeglied zu Wasser und zu Lande zwischen den Ländern der alten Welt, zu einem Zentrum verschiedener Kulturen und zu einem wichtigen strategischen Punkt machte.

Dieser kontrolierte die Wege zu jenen Kulturen und Märkten. In „Kazima“ (einer der alten Namen dieses Gebietes) machten Karawanen aus Persien und Mesopotamien nach Arabien Station. Es verband für eine lange Zeit die Handelsstraßen vom Indischen Ozean nach Syrien und Europa. Dort, an einem Schnittpunkt, verlief eine der längsten und wichtigsten Handelsstraßen. Handelsschiffe, die auf ihrer Reise von den Seehäfen im Norden des Golfes über die Häfen im Süden des Golfes nach Oman, Indien und Ostafrika fuhren, machten Station in „Failaka“, wo es Brunnen und Trinkwasser gab.

Bis Anfang des 17. Jahrhundert wurde das Gebiet von Kuwait unter dem Namen "Kazima" bekannt. Sein gleichnamiger Hafen lag im Nordwesten der kuwaitischen Bucht. Der genannte städtische Mittelpunkt verlagerte sich nach Süden der Bucht und wurde anfangs "Qurain", dann "Kuwait" genannt.

Historische Dokumente und Belege weisen darauf hin, dass die Stadt Kuwait im Jahre 1613 n. Chr. entstand. Damals wanderten Familien und Stämme aus dem Neschd aus und ließen sich in Kuwait nieder, da sie Bedeutung und Vorteile der kuwaitischen Lage erkannt haben. Bald wurden diese Stämme zu einer städtischen Gemeinschaft mit eindeutiger politischer Edentität, die sich durch Stabilität und Entfaltung auszeichnete. Davon zeugen Berichte bedeutender Reisende wie die von "Murtadha Ben llwan", der sich 1709 in dieser Gegend aufhielt. Dokumente des britischen Archivs berichten, dass die Dynastie "al-Sabah" 1716 die Herrschaft über Kuwait hatte. Dies zeigt, daß die Stabilität dieser Gesellschaft auf längere Epochen zurückblickt.

Nachdem die Kuwaitis kontinuierliche Stabilität ihrer Gesellschaft genossen und zugleich ihre Aktivitäten zu Wasser und zu Lande entwickelt hatten, bestand ein dringendes Bedürfnis nach einer Führung, an die sich man wenden konnte. Diese Führung sollte auf legaler Basis entstehen und imstande sein, die Gesellschaft und ihre Interessen zu schützen und sie bei benachbarten Gesellschaften zu vertreten. Die Bürger übertrugen einem Mann von der al-Sabah-Familie die Führung, da er sich in ihren Augen durch gute Moral und Gerechtigkeitsliebe in höchstem Maße auszeichnete. Seit dieser Zeit war die Herrschaft dieser Dynastie, deren ältester und weisester die Führung übernahm.

Kuwait vor der Öl-Ära

Die Aktivitäten der Kuwaitis waren vor der Öl-Ära zu Lande und zu Wasser vielfältig. Kuwaitische Taucher tauchten in die Seetiefe auf der Suche nach Perlen. Seefahrer betrieben Hochseeschiffahrt mit selbstgebauten Schiffen (Dhaus) und beförderten Waren zwischen den verschiedenen Seehäfen im Golf, in Afrika und an der indischen Küste. Sie erreichten Colombo, Bengalen und die ostindischen Inseln. Ausländische Historiker und Seekapitäne lobten in ihren Berichten die Aktivitäten der Kuwaitis zu Wasser wie auch die Qualität und Quantität der kuwaitischen Schiffe.

1756 berichtete Kniphausen, der lokale Chef der niederländischen Ostindischen Handelskompanie, dass Kuwait damals außer Fischerei- und Handelsschiffen 300 Schiffe mit 4000 Perlenfischern besessen und dass Kuwait eine wachsende Seemacht dargestellt habe. Die zunehmende Wachstumsrate entnimmt man den Berichten des deutschen Reisenden Carsten Niebuhr, in denen er seine Reisen im Golfregion und in Arabien zwischen 1764 und 1765 beschrieb. Er erzählt von dem lebhaften Aufschwung der kuwaitischen Wirtschaft und erwähnt u.a., dass die Kuwaitis über 800 Schiffe besessen hätten.

Villiers, der Verfasser des Buches "Die Söhne von Sindbad" (gemeint sind die Kuwaitis), zollt den Tätigkeiten der Kuwaitis zu Wasser große Bewunderung. Er schreibt: "Die Küste Kuwaitis bietet einen der schönsten Anblicke; sie dehnt sich über zwei Meilen lang aus und stellt eine große Werkstatt für Segelschiffe dar".

Das Pendant zu den Aktivitäten zu Wasser bildeten die Aktivitäten der Kuwaitis zu Lande; groß angelegte Karawanen mit Reisenden und handelswaren zogen nach Damaskus und Aleppo im Norden.

Der englische Arzt Edward Ivans, der sich überlegte, an einer Karawanenreise teilzunehmen, schreibt 1758 in senem Reisebericht, dass die eine Karawane aus 5000 Kamelen und 1000 Kamelentreibern bestanden habe. Dem Bericht ist zu entnehmen, in welchem Umfang die Handelsaktivitäten der Kuwaitis zu Lande betrieben wurden

In der Zeit vor dem Erdöl hatten die wirtschaftlichen Aktivitäten ihre tiefgreifenden und umfassenden Wirkungen auf die kuwaitische Geseelschaft. Sie haben die Kuwaitis geprägt und ihnen entsprechende Charakterzüge verliehen. Zusammenhalt, Solidarität, Kooperation, zusammenarbeit, Respekt des Ehrenwortes und Einhaltung von Versprechen gehören zu ihren Moralkodex; Widerwärtigkeiten lehrten die Kuwaitis, dass die "Schura" die Einheit ihrer Gesellschaft garantiert und die Basis für jegliche Entwicklungsarbeit bildet.

Reisen zu Lande und zu Wasser öffneten den Kuwaitis die Augen auf neue Gesellschaften und Ideen; dadurch gewannen sie an Flexibilität und wurden offener für das nützlich Neue. Extremismus und Parteilichkeit konnten in Kuwait keinen Nährboden finden; religiöse Toleranz und Offenheit prägten den Lebensstil der Kuwaitis.

Kuwait und der Konflikt internationaler Mächte am Golf

Im Laufe ihrer dreihundertjährigen Geschichte mußte die kuwaitische Gesellschaft seit ihrer Entstehung unter Ambitionen und Konflikten internationaler Großmächte leiden. Sie zog die Aufmerksamkeit auf sich durch ihre wachsenden wirtschaftlichen Leistungen, ihre aufblühende Entwicklung, ihren Status als einflußreiche Macht in der Region und ihre strategische Lage am Arabischen Golf.

Damals erweckte der Arabische Golf, der zu einem konflikterregenden Faktor wurde, die Ambitionen vieler Mächte, welche die damaligen internationalen Seewege kontrollieren wollten. Dabei stellte Kuwait ein wichtiges Bindeglied dar. Kuwait konnte jedoch seine Eigenart aufrechterhalten und sich von den benachbarten Entitäten abheben, die von verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen feudaler und beduinischer Art geprägt waren.

Im Unterschied zu Kuwait waren diese Gesellschaften bei dieser Entwicklungsstufe stehen geblieben und konnten nicht in die Phase seßhafter Gemeinschaften treten. Diese ausgeprägte wirtschaftliche Entität, die Kuwait darstellt, war mit umliegenden Landgroßmächten, wie dem Ottomanischen Reich im Nordwesten, und Seemächten im Golf, wie den Portugiesen, Holländern und Engländern konfrontiert. Auch die Deutschen und die Russen hatten dort eigene Interessen.

Dieser Zustand machte den Kuwaitis zur Pflicht, eine ausgewogene Außenpolitik zu führen, um ihre Autonomie zu wahren, und zu vermeiden, in die Einflußsphären der Großmächte zu geraten. Diese Konzeption erklärt uns viele Aspekte der Beziehungen Kuwaits sowohl zum Ottomanischen Reich als auch zu anderen Ländern.

Allen Versuchen, Kuwait vom Ottomanischen Reich anhängig zu machen, traten die Kuwaitis energisch entgegen, wenn sie auch weiter bemüht waren, enge Beziehungen zum islamischen Kalifat zu pflegen, da die religiösen Kontakte keine Gefahr für die Selbständigkeit und Interessen Kuwaits darstellen und dem Statthalter der Hohen Pforte im Irak keinerlei Anspruch auf politische Rechte in Kuwait gaben.

Kuwait brachte den ottomanischen Statthaltern weder in Basra noch anderswo keinerlei Loyalität entgegen. Es war auf sich selbst gestellt, Angriffe anderer zurückzuschlagen. Kuwait lehnte es ab, die bei ihm Zuflucht nehmenden Rebellen auszuliefern, die gegen das Ottomanische Reich aufgestanden waren. Kuwait begrüßte den von der Agentur der britischen Ostindischen Handelskompanie geäußerten Wunsch, ihren Sitz von Basra nach Kuwait zu verlegen, und zwar infolge einer Auseinandersetzung zwischen dieser Agentur und der örtlichen osmanischen Autorität in Basra. Die britische Agentur erhielt ihren Sitz in Kuwait in der Zeit von 1793 bis 1795 aufrecht.

Kuwait lehnte es ab, die von Berlin geplante Eisenbahnlinie, die Bagdad-Bahn, durch ihr Territorium durchlaufen zu lassen, obwohl die Deutschen Druck ausübten und die Hohe Pforte das Projekt unterstützte und segnete. Kuwait lehnte jegliche ottomanische Vormundschaft über ihre Außenpolitik entschiedend ab, was einen eindeutigen Beweis für seine Selbständigkeit darstellt. Kuwait schloß mehrere Abkommen, wie das von 1899 mit Großbritannien, um die kuwaitischen Interessen zu wahren.

Seit seiner Entstehung wird Kuwait von der Dynastie AI-Sabah regiert. Es ist das kuwatische Volk, das dieses Herrscherhaus souverän gewählt hat. Aus diesem Grunde ist der kuwaitische Entscheidungswille immer unabhängig geblieben, geht er nur von den Interessen der Nation aus.

Die Grenzen zwischen Kuwait und seinen Nachbarländern

Wenn wir die Frage nach den Grenzen zwischen Kuwait und seinen Nachbarländern stellen, so finden wir die eindeutige Antwort in den veröffentlichten kartographischen Werken über Arabien und Kuwait.

Bekannte Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern zeichneten diese Landkarten im Laufe der vergangenen drei Jahrhunderte. Es handelt sich um historische Dokumente, die bereits veröffentlicht worden waren, bevor jegliche Ansprüche auf Kuwait erhoben wurden oder Konflikte über die Grenzen Kuwaits entstanden. Wir nennen die Landkarte der Brüder Ottens, die auf das frühe 18. Jahrhundert zurückgeht, die Landkarte des bekannten deutschen Geographen Karl Ritter vom Jahre 1818 und die Landkarte des englischen Reisenden Palgrave vom Jahre 1862.

Auf diesen Landkarten sind die Grenzen Kuwaits, insbesondere die nördliche Grenze, deutlich zu sehen: beständig und fast identisch. Diese Grenzen wurden mit der Weiterentwicklung der Kartographie im 19. Jahrhundert deutlicher und präziser. Die auf den genannten Landkarten zu sehenden Grenzlinien stimmen mit den z. Z. bekannten, in den vom Irak unterzeichneten Abkommen markierten Grenzen Kuwaits weitgehend überein. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die kuwaitisch-irakische Grenze tiefer in den Norden verlief, so dass das Sanam-Gebirge die natürliche Grenze zwischen Kuwait und dem Irak bildete.

Als die arabischen Länder Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit erlangten, waren die jungen Staaten darauf bedacht, ihre Grenzen mit den Nachbarländern bekannt zu machen. Zu diesen Ländern gehört der Irak , der mit Kuwait Memoranden über die gemeinsamen Grenzen austauschte. Dies führte 1932 zu gegenseitiger detaillierter Anerkennung der kuwaitisch-irakischen Grenzen. Die Festlegung der gemeinsamen Grenzen wurde später in einem 1963 zwischen den beiden Ländern geschlossenen Abkommen bestätigt.

Diese vom Irak bereits zweimal vor der Aggression gegen Kuwait anerkannten Grenzen sind dieselben Grenzen, die die von der UNO nach der Befreiung Kuwaits von der irakischen Aggression gebildeten Demarkationskommission ermittelt hat. Ihr Abschlußbericht wurde in der vom UNO-Sicherheitsrat im Mai 1993 verabschiedeten Resolution 833 beglaubigt. Es sind auch dieselben Grenzen, die der Irak schließlich im November 1994 zum dritten Mal anerkannt hat. Durch die festgesetzten Grenzen eignete sich Kuwait keinerlei Territorium auf Kosten des Irak an; vielmehr gaben die demarkierten Grenzen die feststehenden Tatsachen auf der Grundlage der Realität wieder und gewährten dem Irak durch eine Seefront und verbundene, über 300 km lange Wasserstraßen ungehemmten Zugang zu seinen sechs Seehäfen. Sie gewährte dem Irak in Safwan und Khawr Az Zubayr mehr Gebiete als er forderte.

Der deutsche Herausgeber i. B. Homann hat im Jahr 1737 eine Landkarte des osmanischen Reiches herausgegeben, und darauf stand Kazema als ein Teil eines großen, geschlossenen Kreis. der V()!! der Grenzen des osmanischen Reiches getl;"ennt ist. Diese Karte ist in dem Nationalarchiv der Niederlande aufbewahrt.(Abteilung für Malen nr Topo 16 A 217 A). Slot. S. 54.

Das Buch des Wanderers H. "Peterman" unter dem Titel "Reisen in Orient" enthält eine Landkarte der Fahrt, auf der Qorein, Bubian und Feldesh gezeigt werden (geschrieben nach der Nationalaussprache). Qorein oder Kuwait hatte damals einen politischen Wert, der dem von Basra gleichgestellt ist. Dies zeigt sich an dem Symbol der Stadt und der Größe der Buchstaben von beiden. Die Landkarte ist im Jahr 1861 in Leipzig veröffentlicht.

Die Nieburhrs Landkarte (deutscher) ist die erste Landkarte, die Kuwait mit seinem Name (als synonym für Gran-AI Qurain) erwähnt hat sie ist von ( B,J. Slot) in 5'einem Buch " Der Ursprung des Kuwaits" gedruckt. Das Buch ist im 1991 Veröffentlicht (Seiten 104-105, platte No.38).